Bewegendes Zeitzeuginnen-Gespräch

Klosterschule vom Hl Grab Zeitzeuginnen2

Am Fr., 10. Juli 2026, durfte die Klosterschule vom Heiligen Grab in Baden-Baden zwei besondere Gäste begrüßen: Jutta Fleck und Beate Gallus, die den Schülerinnen und Schülern der 9. Klassen als Zeitzeuginnen eindrucksvoll von ihrem Leben in der DDR berichteten. Mit großer Offenheit und persönlicher Betroffenheit erzählten Mutter und Tochter ihre bewegende Geschichte, die die Jugendlichen sichtlich beeindruckte.

Im Wechsel schilderten Jutta Fleck und Beate Gallus die Ereignisse rund um ihre Flucht aus der DDR im Jahr 1982. Nach dem gescheiterten Fluchtversuch wurde Jutta Fleck verhaftet und inhaftiert, unter anderem im berüchtigten Frauengefängnis Burg Hoheneck. Eindringlich berichtete sie von den unmenschlichen Haftbedingungen, den Schikanen und der psychischen Belastung, denen politische Gefangene ausgesetzt waren.

Währenddessen wurden ihre beiden Töchter in ein Kinderheim gebracht. Beate Gallus schilderte eindrucksvoll, wie sie und ihre Schwester die Trennung von ihrer Mutter erlebten und welchen Belastungen sie ausgesetzt waren. Besonders bewegend waren ihre Berichte über die Ausgrenzung und das Mobbing, das sie als Tochter einer sogenannten „Republikflüchtigen“ erfahren musste.

Die Schülerinnen und Schüler erhielten einen sehr persönlichen Einblick in die Repressionen des SED-Regimes und erfuhren, welche tiefgreifenden Folgen politische Verfolgung für das Leben einer Familie haben konnte. Gleichzeitig wurde deutlich, mit welcher Stärke und Beharrlichkeit Jutta Fleck dafür kämpfte, ihre Kinder wieder in die Arme schließen zu können. Nach sechs Jahren der Trennung gelang schließlich 1988 die persönliche Wiedervereinigung der Familie – ein Moment, der bis heute von großer emotionaler Bedeutung ist.

Das Zeitzeuginnen-Gespräch machte Geschichte auf eindrucksvolle Weise lebendig. Die authentischen Schilderungen vermittelten den Schülerinnen und Schülern nicht nur historisches Wissen, sondern regten auch zum Nachdenken über die Bedeutung von Freiheit, Menschenrechten und Demokratie an. Im anschließenden Gespräch nutzten viele die Gelegenheit, Fragen zu stellen und mit den beiden Zeitzeuginnen ins Gespräch zu kommen.

Die Klosterschule bedankt sich herzlich bei Jutta Fleck und Beate Gallus für ihren Besuch und ihre Bereitschaft, ihre persönlichen Erfahrungen mit der jungen Generation zu teilen. Solche Begegnungen leisten einen wertvollen Beitrag zur Erinnerungskultur und zeigen eindrucksvoll, wie wichtig es ist, die Geschichte lebendig zu halten.

Nadine Petersen