Aufbruch
Am Freitagmorgen, 30.01.2026, traten wir, der Musikprofilkurs der 10. Klassen, gemeinsam mit Frau Guth und Herrn Deny unsere Exkursion nach München an. Geplant war es, die Bahn um 7:30 Uhr zu nehmen. Doch die Deutsche Bahn hatte, wie so oft, etwas andere Pläne und unser Zug fiel aus. Also verbrachten wir die Wartezeit gemütlich mit einer heißen Schokolade im Bahnhofscafé. Nachdem dann endlich die nächste Bahn kam, fuhren wir voller Vorfreude los.
Um ca. 13 Uhr kamen wir in der Münchner Jugendherberge an und richteten erst einmal unsere Zimmer ein. Anschließend war etwas Zeit zum Ankommen, bevor wir am späten Nachmittag zum gemeinsamen Abendessen im Restaurant „Hand aufs Herz“ aufbrachen. Nach der Stärkung und einer lustigen Runde „Imposter“ mit den Lehrkräften ging es für uns weiter in die Isarphilharmonie.
Dort hörten wir uns ein vielfältiges Programm an. Zu Beginn stand „Prélude à l’après-midi d’un faune“ von Debussy auf dem Programm. Anschließend spielte der neue Chefdirigent Lahav Shani selbst ein Klavierkonzert von Mozart, das er gleichzeitig vom Klavier aus auswendig dirigierte. Zum Abschluss folgte Schönbergs Frühwerk „Pelléas et Mélisande“, ein riesig besetztes Orchesterstück mit unter anderem fünf Posaunen und vier Harfen. Besonders beeindruckte uns, dass Lahav Shani das gesamte Konzert über ohne Noten dirigierte und sogar das anspruchsvolle Klavierkonzert selbst auswendig spielte. Wir waren zwar alle sehr fasziniert von der Größe und der Spielweise der Münchner Philharmoniker, aber das frühe Aufstehen machte sich bei jedem bemerkbar. Mit diesen ersten musikalischen Eindrücken fuhren wir zurück in die Jugendherberge, wo wir erschöpft, aber glücklich in unsere Betten fielen.
Den Samstag …
… starteten wir mit einem ausgiebigen Frühstück, um anschließend gestärkt den „Tag der offenen Akademie“ an der Bayerischen Theaterakademie August Everding zu besuchen. Dort hatten wir die Möglichkeit, an verschiedenen Workshops teilzunehmen oder auch einen Einblick in öffentliche Proben zu bekommen. Es gab Informationsstellen zu den verschiedenen Studiengängen an der Akademie, wie z. B. Musical, Maskenbild oder Kulturjournalismus. Besonders interessant war für uns der Austausch mit den dort Studierenden, durch den wir einen Einblick in deren Ausbildungsalltag bekamen. Außerdem durften wir einen persönlichen Blick auf die beeindruckende Bühne und den Saal des Prinzregententheaters werfen, in dem unter anderem jährlich der Bayerische Filmpreis verliehen wird. Mit einem abschließenden Gruppenfoto auf der Bühne endete unser Aufenthalt dort, und wir verbrachten danach unsere Freizeit in der Altstadt von München.
Wir besuchten den Viktualienmarkt, auf dem man viele leckere Dinge probieren konnte, und besichtigten weitere bekannte Orte. Doch auch fürs Shoppen war genug Zeit, und wir schlenderten zu siebt bei sonnigem Wetter durch die Straßen. Von Herrn Deny bekamen wir eine kleine Challenge gestellt, der wir uns in der freien Zeit widmen sollten. Die Challenge bestand darin, Fotos an bestimmten Orten nach verschiedenen Kriterien zu machen, zum Beispiel ein Gruppenfoto mit schönem Ausblick auf die Stadt oder ein kreatives Bild von der berühmten Frauenkirche.
Da wir am frühen Abend im bekannten Brauhaus „Der Pschorr“ am Viktualienmarkt essen waren, trafen wir dort – nach einer kleinen Verspätung der beiden Lehrkräfte – wieder aufeinander. Egal, ob eine Portion Käsespätzle oder Schnitzel – aufgewärmt waren wieder fast alle. Für Nora endete das Programm für diesen Abend leider aus gesundheitlichen Gründen, weshalb Frau Guth und sie zurück in die Jugendherberge fuhren, um sich dort für die kommenden Tage zu erholen. Nach einer kurzen, aber aufmunternden Verabschiedung mussten Herr Deny und wir anderen sechs zügig zum Nationaltheater. Dort wurde am Abend die Oper „Madame Butterfly“ von Giacomo Puccini aufgeführt, auf die wir sehr gespannt waren. Und wir wurden nicht enttäuscht – im Gegenteil, unsere Erwartungen wurden sogar übertroffen. Egal, ob der Operngesang, die Instrumentalbegleitung durch das Orchester oder das Bühnenbild – alles trug zu der eindrucksvollen Gesamtwirkung bei. Besonders die Hauptfigur Cio-Cio-San hat uns alle wirklich umgehauen. Die Sopranistin war fast durchgehend auf der Bühne und sang – anders als in vielen anderen Opern – nahezu ununterbrochen. Diese enorme Leistung live mitzuerleben und vor allem zu hören, war für uns unglaublich beeindruckend. Der Abend war eines unserer absoluten Highlights und hinterließ einen bleibenden Eindruck.
Nachdem wir die Oper verließen, war es zwar schon nach 22 Uhr, aber durch die intensiven neuen Eindrücke waren wir alle wieder hungrig. Immerhin war das Abendessen schon fast fünf Stunden her. Also beschlossen wir, uns auf den Weg zu einer Pommesbude ganz in der Nähe unserer Jugendherberge zu machen. Auf dem Weg dorthin sprachen wir viel über die Oper, und uns wurde bewusst, wie bewundernswert diese Art von Musik und Kunst eigentlich ist. Als wir wieder satt und zufrieden waren, machten wir uns zu Fuß auf den Weg zurück in die Jugendherberge. Gegen 23:30 Uhr kamen wir dort an und erzählten Nora und Frau Guth von dem aufregenden Abend. Zum Glück schien es Nora schon etwas besser zu gehen, und wir hofften darauf, morgen alle wieder gemeinsam München erleben zu können. Doch um das auch möglich zu machen, war anschließend Schlafenszeit für jeden angesagt, und so endete ein weiterer ereignisreicher Tag.
Am Sonntag …
… schliefen wir, wie es sich gehört, aus, denn wir mussten erst um 10 Uhr los. Nach dem wie immer leckeren und gemütlichen Frühstück machten wir uns auf den Weg, um das am berühmten Königsplatz liegende NS-Dokumentationszentrum zu besuchen. Schon beim Ankommen merkten wir, dass diese Gegend ein bedrückendes Gefühl in uns auslöste, da man teilweise an Häusern noch Spuren aus der NS-Zeit erkennen konnte. In der Nähe befindet sich auch die heutige Musikhochschule, früher der sogenannte „Führerbau“, in dem 1938 unter anderem das Münchner Abkommen unterzeichnet wurde. Dort schauten wir uns kurz um und erkannten die Kulisse direkt wieder, da in diesem Gebäude bekannte Filme gedreht worden waren – zum Beispiel die Komödie „Fack ju Göhte 2“, aber auch der historische Netflix-Film „München – Im Angesicht des Krieges“, der sich mit dem Münchner Abkommen beschäftigt.
Anschließend ging es für uns in das Dokumentationszentrum, wo wir eine Führung bekamen. Dabei ging es dem Referenten weniger darum, uns möglichst viele historische Fakten zu vermitteln, sondern vielmehr darum, dass wir ein Gefühl dafür entwickeln konnten, wie solche grausamen Entwicklungen überhaupt entstehen konnten und welche Verantwortung jede und jeder Einzelne von uns trägt, damit sich so etwas nicht wiederholt. Dadurch erfuhren wir viele neue und interessante, aber auch traurige Details aus der Vergangenheit. Danach hatten wir die Möglichkeit, uns noch einmal selbst im Gebäude umzuschauen und mehr über die Geschichte Münchens zu erfahren. Der Vormittag war sehr eindrücklich und zeigte uns, wie bedeutsam diese Stadt für Deutschland ist. Trotzdem waren wir etwas aufgewühlt und deshalb froh, anschließend unsere freie Zeit zu genießen. In kleineren Gruppen ging es für einige von uns wieder in die Stadt, und die anderen zog es in ein gemütliches Café.
Am Nachmittag stand ein weiteres Highlight auf dem Programm, denn wir bekamen eine Führung hinter den Kulissen des Nationaltheaters. Dort machte Isabella uns durch ihre offene Art bewusst, wie viel Wert auf Gestaltung, Handwerk und Kreativität in einem so bekannten Opernhaus gelegt wird. Sie zeigte uns, was hinter der Bühne abläuft, und führte uns in viele verschiedene Räume. Besonders im Kopf geblieben ist uns der Orchestergraben, da man von dort aus den gesamten Opernsaal bewundern kann. Insgesamt war dies ein sehr spannender und exklusiver Einblick, den wir so schnell nicht vergessen werden.
Nach der Führung war der Hunger wieder groß und an diesem letzten Abend ging es für uns in ein asiatisches Restaurant mit ausschließlich veganen Speisen. Nach dem leckeren Essen und unseren lustigen Gesprächen machten wir uns wieder auf den Weg ins Nationaltheater – diesmal nicht mehr im leeren Saal wie bei der Führung, sondern mitten unter mehr als 2000 anderen Zuschauern. Denn der letzte Abend hatte es noch einmal so richtig in sich. Der Plan war nämlich, gemeinsam die moderne Ballettinszenierung „Waves and Circles“ zu besuchen. Unsere Plätze lagen im 2. Rang, was bedeutete, dass wir perfekt von oben zuschauen und die Choreografie genießen konnten. Das Ballett war ebenfalls sehr beeindruckend und die Tänzerinnen und Tänzer zeigten auf faszinierende Weise, wie die Emotionen der Musik im Tanz verdeutlicht und ausgedrückt werden können. Mit diesem Erlebnis des letzten Abends fuhren wir mit der Bahn in die Jugendherberge, um dort unsere Koffer zu packen. Denn am nächsten Tag hieß es für uns leider, Abschied von der schönen Stadt zu nehmen.
Die Rückreise
Am Montagmorgen richteten wir den Rest unseres Gepäcks, bevor wir hungrig zum Frühstück gingen. Trotz der folgenden Umstände verlief der letzte Morgen in der Jugendherberge recht entspannt. Da der Verkehr den ganzen Tag streikte, mussten wir nämlich zu Fuß mit unseren Koffern zum Hauptbahnhof laufen. Als wir dort ankamen, konnten wir die restliche halbe Stunde für kleine Einkäufe nutzen, darunter auch eine Postkarte, die als Erinnerung mit besonderer Bedeutung gedacht war. Die Idee war nämlich, dass jede von uns sieben eine Postkarte besorgt, damit wir uns gegenseitig dort eine kleine liebevolle Botschaft hinterlassen können. Immerhin haben wir in den letzten drei Jahren, wenn nicht sogar mehr, sehr viel zusammen erlebt und tausende tolle Momente geteilt. Als alles besorgt war, gingen wir zum Gleis, wo unser ICE um 11:30 Uhr abfuhr. Zu Beginn der Fahrt machten wir uns sofort an die Postkarten und tauschten uns über alle Erlebnisse der vergangenen Tage aus.
Angekommen in Mannheim, warteten wir auf unseren nächsten Zug, der uns nach Baden-Baden bringen sollte. Die letzten 40 Minuten verbrachten wir entspannt auf unseren Plätzen im Zug und sprachen über die Highlights der Reise. Gegen 16 Uhr kamen wir in Baden-Baden an, und damit endete leider unsere gemeinsame Reise.
Voller Dankbarkeit und erfüllt von den ganzen tollen Erfahrungen wurde uns bewusst, wie sehr wir dadurch zusammengewachsen sind. Denn die Fahrt nach München in unserer kleinen Runde hat uns wie zu einer kleinen Familie gemacht. Vielen Dank auch an Frau Guth und Herrn Deny, die uns begleitet haben und diese Reise möglich machten.
Die Musik-Profilklasse 10








