Der Montag nach den Sommerferien. Ein neues Schuljahr beginnt. Neue Stundenpläne, neue Fächer, neue Lehrerinnen und Lehrer – bei den meisten herrscht ein kleines mulmiges Gefühl angesichts all dessen, was vor uns liegt. Doch neben der Unsicherheit ist da auch die Vorfreude: auf die Menschen, die man nach sechs Wochen endlich wiedersieht, auf gemeinsames Lachen in der Pause und auf Freunde, die den ersten Schultag gleich ein bisschen leichter machen.
Genau darum ging es beim Gottesdienst zum Schuljahresanfang, den die gesamte Schulgemeinschaft gemeinsam in der Kirche St. Josef feierte: um Freundschaft und um die Frage, was echte Freundschaft ausmacht.
Ein besonderer Impuls war die Geschichte „Der kleine Prinz“. In der Begegnung mit dem Fuchs wird deutlich: Freundschaft braucht Zeit und Geduld. Sie entsteht, wenn Menschen sich aufeinander einlassen, einander kennenlernen und Vertrauen aufbauen. Schülerinnen und Schüler der Klasse 7b griffen verschiedene Gedanken der Geschichte auf und machten deutlich, dass Freundschaft bedeutet, füreinander da zu sein, Verantwortung zu übernehmen und den anderen mit dem Herzen zu sehen.
Anschließend wurde Freundschaft ganz praktisch sichtbar: Mit einem Wollknäuel entstand ein großes Freundschaftsnetz. Jede Schülerin und jeder Schüler nannte beim Weitergeben des Fadens eine Eigenschaft, die eine gute Freundin oder einen guten Freund ausmacht – zuhören, lachen, Geheimnisse teilen, Vertrauen, Hilfe und Verlässlichkeit. So wuchs nach und nach ein Netz über den Altarraum. Es zeigte eindrucksvoll: Freundschaft trägt, fängt auf und gibt das Gefühl, nicht allein zu sein. Aus vielen einzelnen Verbindungen entsteht eine Gemeinschaft.
Auch ein Text aus dem Buch Jesus Sirach stellte die Bedeutung echter Freundschaft in den Mittelpunkt. Dort heißt es: „Ein zuverlässiger Freund ist wie ein sicherer Zufluchtsort. Wer einen solchen Freund gefunden hat, der hat einen wahren Schatz gefunden.“ Gemeinsam wurde darüber nachgedacht, dass es nicht darauf ankommt, möglichst viele Menschen zu kennen oder viele Follower zu haben. Ein echter Freund ist jemand, der bleibt, wenn es schwierig wird, bei dem man sich nicht verstellen muss und auf den man sich verlassen kann. Gleichzeitig stellte der Gottesdienst die Frage: Was für ein Freund bin eigentlich ich?
Gerade für unsere Schule ist diese Frage wichtig. Schule ist weit mehr als Unterricht, Stundenpläne und Leistungsanforderungen. Sie ist ein Ort, an dem Menschen jeden Tag viele Stunden miteinander verbringen, gemeinsam lernen, lachen, Herausforderungen bewältigen und manchmal auch Konflikte austragen. Freundschaft, gegenseitiger Respekt und Zusammenhalt tragen dazu bei, dass aus einem Schulgebäude eine Gemeinschaft wird, in der sich Menschen willkommen und angenommen fühlen.
Viele Schülerinnen und Schüler sowie Kolleginnen und Kollegen gestalteten den Gottesdienst aktiv mit. Besonders beteiligt waren Schülerinnen und Schüler der Klassen 7b und 8d, die Texte, Gedanken und Fürbitten übernahmen. Auch mehrere Kolleginnen und Kollegen wirkten bei der Durchführung mit. Musikalisch wurde der Gottesdienst von der Klosterband begleitet, die mit ihrer Musik für eine lebendige Atmosphäre sorgte und die ganze Schulgemeinschaft zum Mitsingen einlud. Ein besonderer Dank gilt außerdem Nora Hoffmann aus der 10a, die den Gottesdienst an der Orgel musikalisch mitgestaltete.
So stand am Ende des Gottesdienstes ein Wunsch für das neue Schuljahr: Dass unsere Schule ein Ort sein möge, an dem Menschen füreinander da sind, niemand allein bleibt und Freundschaften wachsen können. Denn echte Freundschaft ist ein Schatz – und eine starke Gemeinschaft entsteht dort, wo Menschen bereit sind, füreinander da zu sein.
Franziska Bühler




