Schon kurz nach Beginn des Schuljahres hieß es für die 26 Musik-Profiler der Kl. 9 nach langem Hin und Her und Vorschlägen von Wien bis Amsterdam: Unsere Musikfahrt soll nach Dresden gehen, inklusive Semperoper. Diese Ankündigung bedeutete vor allem eines: Aufregung, und bei vielen die Frage: Was zieht man eigentlich in eine Oper an? War es doch für viele von uns der erste Opernbesuch. Doch eine Klassenfahrt bestehend allein aus einer Oper wäre den Aufwand vermutlich nicht wert. Und so sollten wir noch viel mehr von dem Florenz an der Elbe zu sehen bekommen und viele neue Erfahrungen und Eindrücke sammeln.
Am Tag der Abreise ging es für uns früh los. Bereits um 7 Uhr trudelten wir nach und nach am Bahnhof Baden-Baden ein. Leider schien die Deutsche Bahn unsere Vorfreude nicht ganz zu teilen. Schon der erste Zug kam zu spät, wir verpassten unseren Anschluss und verbrachten etwas mehr Zeit als geplant in unseren Umstiegsbahnhöfen. Aber dann ging es mit dem nächsten ICE nach Dresden. Nachdem unsere Odyssee mit dem Check-In in unserem Hostel endete, bekamen wir Zeit, uns häuslich einzurichten und uns in der bunten Neustadt umzusehen. Gegen Abend machten wir uns auf zu unserem ersten Konzertbesuch in der Frauenkirche. Mit den zahllosen Verzierungen und dem kunstvoll gearbeiteten Deckengemälde zog uns die wunderschöne Innenarchitektur sofort in ihren Bann. Auch das Konzert selbst enttäuschte nicht. Wir durften einer Vorstellung von „The Knights“ lauschen. Die kleine Gruppe von Musikern aus Amerika begeisterte mit ihren begabten Mitgliedern, perfekt gewählten Stücken und viel Leidenschaft. Am Ende des Tages waren wir alle glücklich, aber total erledigt und fielen in einen wohlverdienten Schlaf.
Tags darauf ging es mit der Straßenbahn in die Altstadt zum Dresdner Zwinger. Tatsächlich waren wir weder verhaftet worden, noch sollten wir dort gefoltert werden, auch wenn der Name Ähnliches vermuten lässt. Stattdessen ist der Zwinger eine weltberühmte barocke Anlage aus dem 18. Jahrhundert, die ursprünglich als prunkvoller Festplatz und Orangerie unter Augustus dem Starken errichtet wurde. Heute dient die Anlage mit ihren Pavillons und Brunnen als Museumskomplex. Statt zwischen Porzellanfiguren, antiken Vasen und langweiligen Infotexten umherzugehen, fanden wir uns im „TimeRide“ wieder, dem etwas anderen Erlebnis. Beim TimeRide wird man selbst zum Zeitreisenden. Die VR-Brille wurde aufgesetzt, und schon landeten wir in einer goldenen Kutsche mitten im Jahr 1719, um die legendäre „Jahrhunderthochzeit“ von Friedrich August II. und Maria Josepha von Österreich mitzuerleben. Ein tolles Erlebnis, v.a. da es für viele von uns die erste Erfahrung mit VR-Brillen war. Am Nachmittag trafen wir uns vor der Kreuzkirche, wo unser nächster Programmpunkt „Orgel Punkt drei“ stattfand. 15 Minuten durften wir den majestätischen Klängen der Orgel lauschen. Doch damit war unser Tag noch nicht zu Ende. Abends versammelten wir uns in einer Pizzeria in der Nähe unserer Unterkunft. Es wurde gegessen, vieeel geredet und gelacht sowie Erfahrungen und Lebensgeschichten ausgetauscht.
Der nächste Tag begann mit einer Stadttour. Nicht von einem gewöhnlichen Tourguide organisiert, den man uns ersparen wollte, sondern von uns. In Kleingruppen gestalteten wir am Tag zuvor Kurzvorträge zu verschiedenen Dresdner Sehenswürdigkeiten. Nach Rathaus und Kreuzkirche standen wir schließlich vor dem Kulturpalast. „Just in time“ für unseren nächsten Programmpunkt, ein Schulkonzert der Dresdner Philharmonie begleitet von einem ganz besonderen Instrument – dem Sopran-Saxophon. An diesem Tag lernten wir vom fröhlichen Kommentator zwischen den Musikbeiträgen nicht nur allerlei über die Familie der Saxophone (vom kleinen Sopranino bis zum Bariton), sondern leider auch von großen Teilen des restlichen Publikums, wie schwer es doch sein kann, den richtigen Zeitpunkt des Applauses bei einem Konzert zu finden (kleiner Tipp: in der Regel, nachdem das Stück beendet worden ist).
Nachdem auch die Übrigen unserer Kleingruppen ihre Stadtkenntnisse unter Beweis gestellt hatten, hielt der Tag noch ein Highlight, DAS Highlight unserer Reise bereit – die historische Semperoper. Mit barockem Prunk, wohin das Auge reicht, der perfekte Spielraum für „La Traviata“ von Giuseppe Verdi. Ein Stück, das von rauschenden Festen, komplizierten Beziehungen und natürlich einer tragischen Liebesgeschichte bis hin zum Tod alles beinhaltet, was von einer hochdramatischen Oper zu erwarten ist. Da konnten wir sogar über die etwas zu trockenen Brezeln in der Pause hinwegsehen.
Auch Freizeit darf auf einer Klassenfahrt nicht fehlen. Täglich bekamen wir die Möglichkeit, Dresden auf eigene Faust zu erkunden.
Nach drei ereignisreichen Tagen stand die Heimreise schon vor der Tür. Viel zu früh, da waren wir uns einig. Doch bevor es gegen Nachmittag mit Koffern, Taschen und allem Krimskrams wieder zum Dresdner Hauptbahnhof ging, blieben uns noch ein paar Stunden in der Neustadt, in der wir uns inzwischen bestens auskannten. Mit „Mein Ort in Dresden“ durften wir die lebhafte Gegend des Hostels noch ein letztes Mal mit aufmerksamen Augen erkunden. Jeder von uns fotografierte einen ganz besonderen Ort. Von kunstvollen, bunten Graffiti an Hauswänden über kleine, verschnörkelte Läden bis zu „Who the Fred is fuck?“ war alles vertreten. Bei einer Reflexionsrunde am Elbufer ließen wir die letzten Tage bei schönstem Wetter und großzügig von unseren Lehrkräften spendiertem Eis gemeinsam Revue passieren. Klar wurde: Auch wenn nicht alles perfekt war, Dresden hatte uns alle verzaubert und die Musikfahrt 2026 wird als unvergessliches Erlebnis in unsere Erinnerungen eingehen.
Wie von der Deutschen Bahn gewohnt, verlief auch die Rückfahrt nicht völlig reibungslos. Doch nach vielen Stunden Fahrt, zahlreichen Bahnhöfen und einigen ereignislosen Pausen auf Bahnsteigen erreichten wir abends leicht übermüdet den (für den einen oder anderen nun doch schwer ersehnten) Baden-Badener Bahnhof.
Ganz besonders möchten wir uns bedanken bei Herrn Watta, der die Organisation für uns übernommen hatte, und Frau Jakobi, die sich (auch ohne ganz so große Musikkenntnisse) dazu bereit erklärt hatte, uns zu begleiten. Vielen Dank für die erlebnisreichen Tage, die gesammelten Erfahrungen und neu erworbenen Allgemeinkenntnisse über die Kulturstadt an der Elbe. Es war eine tolle Fahrt, die Zeit verging viel zu schnell, aber die schönen Erinnerungen bleiben!
Hanna Kühnle und Linda Müller (9b)


