Im hektischen Schulalltag bleibt oft wenig Zeit, einmal innezuhalten. Genau dafür gibt es an unserer Schule zweimal im Jahr die Stufengottesdienste. Dabei feiern die Schülerinnen und Schüler nicht alle gemeinsam, sondern in drei Gruppen: Für die Klassen 5 und 6, für die Klassen 7 bis 9 sowie für die Klassen 10 bis 12 findet jeweils parallel ein eigener Gottesdienst statt. So können Themen und Gestaltung gezielt auf die jeweilige Altersstufe abgestimmt werden. Die Gottesdienste bieten Raum, gemeinsam über das nachzudenken, was im Alltag beschäftigt, und stärken zugleich das Gefühl von Gemeinschaft.
Eine Mauer aus Steinen
Der Gottesdienst für die Klassen 5 und 6, der in der Stiftskirche stattfand, stand unter dem Thema „Steinmauer“. Zu Beginn wurde deutlich: Jeder Mensch trägt manchmal „Steine“ mit sich herum – Sorgen, Ängste oder Dinge, die das Herz schwer machen. Einige Schülerinnen und Schüler brachten solche Gedanken symbolisch nach vorn und bauten aus Kartonsteinen eine Mauer. Sie erzählten vom Lernstress, Streit mit Freunden, Sorgen um Familie oder dem langen Schulweg am frühen Morgen. Anschließend waren alle eingeladen, selbst darüber nachzudenken, welche „Steine“ sie gerade mit sich tragen. Wer wollte, konnte einen Papierstein beschriften und ihn zur Mauer bringen. So entstand sichtbar eine große Mauer aus Sorgen – ein Bild dafür, wie belastend manche Gedanken sein können.
In der anschließenden Auslegung des Gleichnisses vom verlorenen Sohn wurde deutlich: Auch im Leben des jüngeren Sohnes sammeln sich solche „Steine“, bis er merkt, dass er die Last nicht mehr allein tragen kann. Doch der Vater nimmt ihn liebevoll wieder auf – die Mauer verschwindet. Gemeinsam überlegten die Schülerinnen und Schüler, was im Alltag helfen kann, solche Mauern abzubauen: sich entschuldigen, zuhören, vergeben, trösten oder jemanden einladen.
Besonders lebendig wurde der Gottesdienst durch die aktive Beteiligung der Kinder. Die Klassen 5b und 6b hatten viele Ideen in die Vorbereitung eingebracht und diese auch im Gottesdienst vorgetragen – unterstützt wurden sie dabei durch Frau Bühler und Herrn Oberfell. Auch während des Gottesdienstes beteiligten sich zahlreiche Schülerinnen und Schüler spontan – etwa bei den Fürbitten, in denen sie Gott für Freundschaften dankten oder um Frieden, Gesundheit und Kraft im Schulalltag baten.
Musikalisch wurde der Gottesdienst von Herrn Watta am E-Piano sowie von Nora Hofmann (9a) an der Orgel begleitet.
Mut in unsicheren Zeiten
Der Mittelstufengottesdienst in der Vorosterzeit stand ganz im Zeichen des Mutes – eines Mutes, der besonders dann wichtig wird, wenn das Leben unsicher oder stürmisch erscheint. Die Schülerinnen und Schüler der Klassen 7b sowie 8a/c gestalteten den Gottesdienst gemeinsam mit Frau Bahret und Frau Hick und brachten das Thema auf sehr persönliche Weise zum Ausdruck. In einer szenischen Lesung erzählten Jugendliche die biblische Geschichte von Petrus, der Jesus auf dem See begegnet und den Mut findet, ihm trotz Wind und Wellen entgegenzugehen.
Auch das selbst formulierte Gebet zweier Schülerinnen gab dem Gottesdienst einen nachdenklichen und zugleich hoffnungsvollen Ton und berührte viele der Anwesenden.
Zum Abschluss durften alle Besucherinnen und Besucher einen kleinen Mut-Moment mit nach Hause nehmen: Vier Schülerinnen standen mit Körbchen am Ausgang und verteilten selbst verfasste Mut-Sprüche, die als stärkender Begleiter in den Alltag gedacht waren.
Musikalisch erhielt der Gottesdienst durch Herrn Deny an der Orgel eine warme und feierliche Atmosphäre.
Die Kraft eines Wortes
Beim Oberstufengottesdienst stand die Kraft eines einzigen Wortes im Mittelpunkt. Ausgangspunkt war das Lied „Nur ein Wort“ von Wir sind Helden – und die Erfahrung, dass Worte aufbauen oder verletzen können. Manchmal wartet man sehnsüchtig auf ein einziges Wort, das alles klärt. In Texten und Gebeten wurde diese Sehnsucht aufgegriffen: nach einem Dank, einer Entschuldigung, einem Kompliment oder einem Wort des Verstehens. Lesungstext war die biblische Geschichte vom Hauptmann von Kafarnaum: „Sprich nur ein Wort, so wird mein Diener gesund.“
Meditative Taizé-Gesänge, begleitet von Frau Jacobs am E-Piano, einige Minuten der Stille und das Fürbittgebet gaben Raum, über die Wirkung von Worten nachzudenken. Am Ende des von Frau Storr und Herrn Weber vorbereiteten Gottesdienstes stand der Wunsch, den Mut zu haben, selbst ein gutes Wort zu sagen – ein Wort, das trägt, das versöhnt, das Leben weckt.
Die Stufengottesdienste zeigen immer wieder, wie wertvoll solche gemeinsamen Momente des Nachdenkens, Betens und Austauschs im Schulalltag sind. Sie schaffen Raum für persönliche Gedanken, stärken das Gemeinschaftsgefühl und erinnern daran, dass niemand mit seinen Sorgen allein bleiben muss.
Die Fachschaft Religion








