Juli 2009

Finnland 2009 – Alles bääster Sportkurs

Im Juli 2009 traf sich eine Gruppe Sportverrückter in aller Frühe, genau genommen um 4.45 Uhr am Bahnhof, um die Reise zu einem einmaligen Abenteuer anzutreten.
Im Voraus hatten wir zweimal die Chance genutzt, das für so ein Erlebnis nötige Kleingeld zu verdienen. Zum einen hatten wir am Musischen Abend der Klosterschule belegte Brötchen, sowie Getränke verkauft. Im Service inbegriffen waren Umbauarbeiten zwischen den Auftritten der einzelnen Künstler.
Zum Anderen hatten wir in Eigeninitiative, sehr kurzfristig, einen Flammkuchenstand am Sommerfest des Richard-Wagner-Gymnasiums organisiert und betrieben.
Beide Mittelbeschaffungsmaßnahmen waren von Erfolg gekrönt und so wurde das oben genannte Zusammentreffen vereinfacht.
So machte man sich in zunächst rasantem Tempo auf den Weg nach Finnland. Am Flughafen trafen wir unseren Guide Jens Wilken, der sich im weiteren Verlauf als absoluter Glücksfall herausstellte. Nach geglückter Luftüberführung zum Finnischen Festland, stellte ein gelassen  reagierender David fest, dass ein Teil seines Gepäcks nicht in Helsinki-Vantaa aufzufinden war. Nach diesem Rückschlag fuhren wir mit einem leicht überdimensionalisierten Reisebus an den Einstiegspunkt zum Nationalpark Kolovesi. Die sechsstündige Fahrt wurde von einem Zwischenstopp an einem Supermarkt unterbrochen. Dort kauften wir in größeren Mengen Lebensmittel und weitere Utensilien um die nächsten 10 Tage zu überleben. Für David hieß es außerdem einen Satz Klamotten einzukaufen, wobei bei er allerdings zum Leidwesen unser aller Augen nicht auf die Karomuster Rücksicht genommen hatte.
Am Einstieg Käkötaipale angekommen wurde ein letztes Mal ausgiebig gegessen. Die sich schnell bemerkbar machende Schnakenplage wurde schnell zum „Schnaken-Eldorado“ erklärt. Das trübte die Stimmung aber in keinster Weise, da wir mit dem Dschungel-Deo gut gewappnet waren.
Zudem wurden wir das erste Mal mit der „hellen Nacht“ konfrontiert, welche einigen leicht zum Verhängnis wurde, da jegliches Zeitgefühl aufgrund der Helligkeit ausblieb.
Nach der ersten „Nacht“ im Zelt ging es an die Einführung in die Grundlagen der Navigation, da wir ohne Kompass und Karte komplett orientierungslos gewesen wären. Jeweils zwei Sportler sollten täglich neu die Navigation übernehmen. Die erste Etappe war gerade mal 4 Kilometer, die durch unsere kläglichen Versuche gemeinsam im Duo zu paddeln, länger dauerte als gedacht. Am ersten Campground angekommen, wie bei allen darauf folgenden, wurden die Lebensmitteltonnen aus den Kanus geladen und Holz gemacht. Darauf folgte, dass unser Kaffee-Kim seinem Handwerk nachging. Auf dem dabei benötigten Feuer wurde auch gleich die einzige warme Mahlzeit des Tages zubereitet.
Zwischenzeitlich waren andere damit beschäftigt einen Zeltplatz zu finden und sich ein Nachtlager einzurichten.
Nach dem Essen wurde meist zusammen gespielt, gelesen, hauptsächlich geangelt aber auch einfach nur zusammen gesessen und geredet, bis alle schließlich müde zur Isomatte gingen.
So sah im Groben der Tagesablauf für die nächsten acht Tage aus.
Tag drei war  auf Grund der 14 Kilometer Tour begleitet von Gegenwind einer der härtesten Tage. Dies war vor allem dadurch bedingt, dass wir den Hunger noch nicht gewohnt waren und deshalb die allgemeine Stimmung darunter litt.
Der darauf folgende Tag erwies sich als eines der Highlights der gesamten Tour. Dazu zählte eine kleine Inselwanderung, welche mit einer feuchten Überraschung endete. Unser Guide „Jensi“ hatte sich mit ein paar Verrätern eine Gruppenaufgabe überlegt, bei der es darum ging, mit nur einem verbliebenen Boot und 12 Leuten ohne Paddel, zum Campground zurückzukehren. Daraufhin blieb uns nichts anderes übrig als Klamotten und Wertsachen im Boot zu verstauen, um dann zurück zu schwimmen. Nach kurzem Ärger wurde durch anschließendes Klippenspringen jeglicher Unmut aufgelöst.
Der dabei entstandene Hunger wurde  durch die in Öl gebratenen Kartoffelschalenchips gedämpft und durch einen simplen Eintopf gestillt. Dies machte uns klar, wie sehr unser Hunger uns beeinflusste.
Der nächste Tag begrüßte uns zum ersten Mal mit Regen. Unser Campground war ca. 1 Kilometer im Wald, was uns den Transport von Lebensmitteln, Gepäck und zum Verdruss aller, auch Feuerholz aufzwang. Der Vorteil des Campgrounds lag aber in seiner Sauna, die dem transportierten Holz einen ungeahnten Wert gab. Die meisten genossen die wohlige Hitze nach den ersten Tagen im Nationalpark.


Zur Freude aller verzeichneten unsere Fischer abends einen erfolgreichen Fang was unseren Hunger vorübergehend stillte. Bei den Schnarch-Weltmeisterschaften 2009 erwiesen wir uns im gemeinsamen Schlafsaal als wahre Sportler.
Nach einer sehr kurzen Nacht stand uns die Königsetappe von 22 Kilometern zuvor. Fünfeinhalb Stunden später, im Übergang der Nationalparks, fanden wir unsere Lagerstelle ohne Holz und benutzbaren Toilette wieder. An diesem Tag waren alle enorm erschöpft, und so waren Essen und Aufbauen der Zelte die einzigen Aktivitäten bevor uns der plötzliche Regen in die Zelte beförderte.
Dass sich dies als Segen erwies, wurde uns am nächsten morgen nach 13 Stunden Schlaf am Stück bewusst. Die Strecke des Tages war länger als erwartet, was jedoch der wunderschöne Campground inklusive Sandstrand aufwog. Abends teilten wir unsere Feuerstelle mit jungen Finnen.
Am nächsten Tage war die Essensration genauso klein wie der Hunger groß, selbst für uns inzwischen trainierte Minimalspeisende. Doch das Glück meinte es gut mit uns und brachte uns 7 Fische, darunter einen 76 cm Hecht. Dank Florian und Moritz´ Angelkünste hielt sich der Hunger dann doch in Grenzen.
Der letzte Tag wurde zum heißesten Ritt der Tour. Windstärke 4 als Gegenwind erzeugte wilde Wellen. So manche Kanuspitze tauchte unter einer Welle durch, Gischt spritzte die Vorderen klatschnass und die Arme waren vom starken Paddeln schlaff. An diesem Abend waren wir alle ziemlich geschafft und entspannten uns alle beim lesen in der Sonne, Uno spielen oder einfach beim Schlafen auf den Felsen vor unserer Insel. Den letzten Sonnenuntergang auf unserer Studienreise wollten alle sehen, manche von der höchsten Stelle der Insel, andere kletterten die Felsen bis zum Wasser herunter um sie zu beobachten bis sie hinter der nächsten Insel verschwand.
Diese Nacht verbrachten dann zum Abschluss 3 von uns mit ihren Schlafsäcken unter freiem Himmel, wurden jedoch durch den am Morgen einsetzenden Regen geweckt. Der Regen begleitete uns auch den Rest des Tages.
Ein Grund für uns nach einem schnellen Frühstück unsere Sieben Sachen zu packen und auf dem schnellsten Weg nach Oravi zu paddeln.
Die erste Begegnung nach 10 Tagen Wildnis mit der Zivilisation wartete dort auf uns.
Eine Sauna, Duschen und ein kleines Restaurant löste in uns allen große Glücksgefühle aus. Den Tag verbrachten wir mit essen, schlafen und duschen.
Der Bus für unsere Rückreise kam um 22:00 und brachte uns bis 3:00 nach Helsinki. Dort verbrachten wir die restliche Nacht mit Volleyball spielen, durch Hindernisse aber leider nur kurz und mit Schlafen in der Flughafenhalle.
Um 5 Uhr war es soweit unser Check-in sollte beginnen, doch dann wurden wir durch ein Feuer an unserer Wartehalle aus dem Flughafen verscheucht.
Mit 3 Stunden Verspätung jedoch alle zusammen und mit dem gesamten Gepäck hoben wir dann um ca. 10:00 in Helsinki ab. In Frankfurt wurden wir von unseren Eltern begrüßt und kamen nach 36 Stunden ohne Schlaf und mit dem verloren gedachten Gepäck von David endlich wieder zuhause an. 
Alles in allem war jeder dieser 10 Tage die Reise wert. Wir sammelten reichlich unerwartete Erfahrungen, darunter die Feststellung, dass es durchaus möglich ist, womöglich noch entspannend und ganz ohne die gewohnte Technologie auszukommen. Zudem kamen die Erfahrungen die wir in der Gruppen gemacht haben. Erstaunlich für uns war auch zu sehen wie sich der komplette Tagesablauf auf die nötigsten Grundlagen reduzierte. Wir hätten nicht gedacht, dass Aufgaben wie Zelte Aufbauen, uns zu ernähren und sich vom einen bis zum nächsten Campground zu bewegen den ganzen Tag in Anspruch nehmen würden. Die gruppeninterne Stimmung wurde von Tag zu Tag besser, als sich jeder in die Gruppe eingefügt hatte und seine Aufgaben kannte.
 

Newcomer bringen dem Schweinchen Glück